"Die Zeit ist reif für politische Verbesserungen, um auch in Zukunft qualifizierte, motivierte und gut bezahlte Pflegekräfte beschäftigen zu können", sagt Matthias Schmitt, Direktor der Caritas im Bistum Essen. Die Regierungsparteien hätten jetzt noch die Chance, auf Bundesebene gemeinsam ein gutes Gesetz zu beschließen, anstatt sich im Wahlkampfmodus gegenseitig zu blockieren.
"Die Corona-Pandemie hat die Altenpflegeeinrichtungen personell ans Limit gebracht", sagt Schmitt. Der Fachkräftemangel sei durch Ausfälle aufgrund der hohen körperlichen und psychischen Belastungen verschärft worden. "Die Pandemie hat aber auch gezeigt, wie wichtig die Pflegeeinrichtungen der gemeinnützigen Wohlfahrtsverbände sind", so Matthias Schmitt.
Die Politik ist gefragt: Wertschätzung drückt sich auch in guten Rahmenbedingungen aus
Es gelte, diese Wertschätzung und Anerkennung zu erhalten, um weiterhin junge Menschen zu ermutigen, sich für den Pflegeberuf zu entscheiden. "Dazu gehören auch gute Rahmenbedingungen, deren Schaffung in Verantwortung der Politik liegt", sagt der Essener Diözesancaritasdirektor. Die faire und angemessene Bezahlung in der Pflege müsse gesetzlich geregelt werden - der gesellschaftliche Rückhalt sei dafür da. Auch die Vorgaben für ein Pflegebemessungsverfahren müssten zu einem Mehr an Personal führen.
"Nötig sind flächendeckend faire und angemessene Löhne, die von den Pflegekassen refinanziert werden. Die Refinanzierung darf sich weder an den ortsüblichen Dumpinglöhnen orientieren, noch darf es darum gehen, lediglich Mindeststandards abzusichern, die der qualifizierten Ausbildung in der Pflege nicht ansatzweise gerecht werden." Trotz erforderlicher Schichtarbeit müssten attraktive Arbeitszeiten möglich sein.
Fachkräfte halten
Die Politik müsse, so Schmitt, die Umfragen ernst nehmen, nach denen jede dritte Pflegekraft über einen Berufswechsel nachdenkt: "Wir dürfen diese Menschen nicht verlieren." Gleichzeitig gelte es, der Erschöpfung der Beschäftigten in den Einrichtungen und Diensten entgegenzuwirken. Die Wohlfahrtsverbände fordern mehr Möglichkeiten für eine bessere Gestaltung der Arbeitszeiten, flexible Pausenregelungen, gesicherte freie Zeiten und eine engere Begleitung der Pflegekräfte - etwa durch Supervision, Fortbildungen und Sorgentelefone.
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