Inklusion braucht mehr als Wissen über Gesetze und Strukturen. Es kommt auch darauf an, wie wir auf Kinder schauen und welche Haltung wir im Alltag vorleben. Dieses Modul 2 verbindet beides. Sie bekommen einen neuen fachlichen Blick auf Teilhabe und setzen sich zugleich mit Ihrer persönlichen Haltung auseinander.
Inhalte und Lernergebnisse:
Die ICF in der Kita: Ein neuer Blick auf das Kind
Im ersten Teil des Moduls lernen die Teilnehmenden das bio-psycho-soziale Modell kennen. Dahinter steht ein wichtiger Gedanke: Behinderung ist keine Eigenschaft, die ein Kind einfach "hat". Sie entsteht dort, wo die Möglichkeiten eines Kindes und die Bedingungen in seinem Umfeld nicht zusammenpassen.
Grundlage dafür ist die ICF, die "Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit" der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie richtet den Blick weg von Defiziten und hin zu der Frage: Was braucht dieses Kind, um mitmachen zu können? Die Teilnehmenden lernen außerdem den Behinderungsbegriff nach § 2 SGB IX kennen und üben, die Teilhabebereiche der ICF im Kita-Alltag zu nutzen.
Den Teilhabe- und Förderplan sicher anwenden
Aufbauend auf der ICF lernen die Fachkräfte den Teilhabe- und Förderplan kennen. Mit ihm lassen sich kleine, erreichbare Teilhabeziele für ein Kind festlegen und seine Entwicklung gut begleiten. In Fallbesprechungen aus der Praxis üben die Teilnehmenden, wie sie den Förderplan anwenden. Außerdem lernen sie, wie sie auf Grundlage der ICF verständlich mit Eltern, Therapeut:innen und anderen Fachdiensten sprechen. Zum Abschluss übertragen sie das Gelernte auf ein Kind aus ihrer eigenen Einrichtung.
Inklusive Haltung entwickeln durch Biografiearbeit
Im zweiten Teil geht es um die Fachkräfte selbst. Jeder Mensch bringt eigene Erfahrungen und Bilder davon mit, was "normal" und was "anders" ist. Mit Methoden der Biografiearbeit werden diese Vorstellungen bewusst gemacht und hinterfragt. Auch Gefühle wie Unsicherheit, Angst oder innere Widerstände dürfen dabei Platz haben. Sie werden offen besprochen, als normal anerkannt und neben positive Begegnungen aus der eigenen Praxis gestellt. Am Ende steht die Frage: Was hat sich in meinem Verständnis von Inklusion und Behinderung schon verändert?
Das bringt Ihnen Modul 2:
Nach der Teilnahme an Modul 2 sehen Sie das einzelne Kind in seinem ganzen Umfeld. Sie erkennen, welche Faktoren seine Teilhabe erschweren und auch Hürden, die in Strukturen oder Haltungen liegen. Sie arbeiten sicher mit dem Teilhabe- und Förderplan und stärken so Ihre professionelle Rolle. Ihr neuer Blick gilt dabei nicht nur Kindern mit Behinderung, sondern auch anderen Formen von Vielfalt in der Kita, etwa Herkunft, Sprache oder Familienform.
Methoden:
Vortrag/Präsentation, Gespräch/Diskussion, Arbeit in Kleingruppen, Perspektivwechsel, Biografiearbeit sowie Praxisbeispiele und Reflexion der eigenen Praxis.
Rahmen:
Dieses Modul 2 umfasst insgesamt 32 UE (1 UE = 45 Minuten), die sich wie folgt aufteilen:
- M 2.1: ICF und Teilhabe- und Förderplan (16 UE)
- M 2.2: Inklusives Selbstverständnis als pädagogische Fachkraft (Biografiearbeit) (8 UE)
- M 2 Selbstlernzeit (8 UE)
Das Modul 2 endet mit einem Modulabschluss. Näheres hierzu wird im Seminar bekannt gegeben.
Das Modul 2 ist Teil der Weiterbildung "Kompetenzprofil Inklusion in der Kita: Vielfalt gemeinsam leben", kann aber auch als Einzelfortbildung gebucht werden, ohne an der gesamten Weiterbildung teilzunehmen.
Das Konzept der modular aufgebauten Weiterbildung ist auf Basis der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW, des LVR-Landesjugendamts Rheinland und des LWL-Landesjugendamts Westfalen-Lippe entwickelt.
Sie umfasst insgesamt 88 Unterrichtseinheiten (UE) in Präsenz- und Webseminaren sowie 24 UE Selbstlernzeit. Ein Einstieg ist jederzeit möglich.
Weitere Informationen zur Weiterbildung "Kompetenzprofil Inklusion".
Hinweis:
Diese Veranstaltung findet statt in Kooperation mit der Kath. Erwachsenen- und Familienbildung im Bistum Essen gGmbH
Zielgruppe
Die Weiterbildung richtet sich an pädagogische Fachkräfte in Kitas. Vorkenntnisse in Heil- oder Sonderpädagogik sind nicht nötig. Gemäß Landesrahmenvertrag NRW sind Träger im Rahmen der Basisleistungen I dazu verpflichtet, ihren sozialpädagogischen Mitarbeitenden Angebote zur Aneignung heilpädagogischen Grundwissens zur Verfügung zu stellen. Diese Weiterbildung erfüllt diese Anforderung.
Kosten
420,00 € bzw. 360,00 € für Mitarbeiter:innen in Einrichtungen und Diensten der Caritas.
Veranstaltungsnummer
09.000.27