Die halbjährliche Indikatorenerhebung ist mehr als ein Abgabe- oder Prüfprozess. Sie wird erst dann zum wirksamen Steuerungsinstrument, wenn der aktuelle Pflegebedarf der Bewohner:innen im Alltag erkannt, fachlich bewertet und konsistent in der Pflegedokumentation, den BI-Modulen und dem Erhebungsbogen sichtbar ist. Auffällige Ergebnisse werden deshalb nicht isoliert am einzelnen Bewohner "korrigiert". Sie werden als Ausgangspunkt einer systemischen Analyse genutzt: Wo im Pflegeprozess gehen Informationen, fachliche Entscheidungen oder notwendige Leistungen verloren?
Ein auffälliger Qualitätsindikator ist zunächst ein Steuerungssignal und nicht die Ursache des Problems. Zeigt es sich beispielsweise, dass eine erforderliche Prophylaxe bei mehreren Bewohner:innen nicht ausreichend abgebildet oder umgesetzt ist, reicht es nicht, die fehlende Maßnahme lediglich in der Maßnahmenplanung zu ergänzen. Sondern es ist systemisch zu prüfen, an welcher Stelle der Versorgungskette der Prozess bricht, also beim Erkennen des Pflegebedarfs, bei der Risikoeinschätzung, bei der fachlichen Entscheidung, in der Dokumentation, an der Schnittstelle zur Tourenplanung, bei Zuständigkeit oder Kompetenz, in der Durchführung oder bei der Evaluation.
Die Tourenplanung wird dabei zum operativen Steuerungselement: Sie macht sichtbar, ob notwendige Leistungen mit passender Zeit, Frequenz, Zuständigkeit und Kompetenz tatsächlich im Pflegealltag verankert sind.
Am Ende steht eine belastbare Daten- und Prozesslogik, die Erhebung, Qualitätsmanagement, Führung und Tourenplanung miteinander verbindet.
Lernergebnisse:
Sie erzeugen valide Daten und schätzen den aktuellen Bewohnerzustand fachlich korrekt ein.
Sie wenden die Erhebungslogik sicher an und plausibilisieren automatisierte bzw. vorbelegte Informationen kritisch.
Sie machen den aktuellen Pflegebedarf sichtbar und stellen sicher, dass relevante Veränderungen in Assessment, Pflegeprozess, Maßnahmenplanung, Dokumentation und Vivendi iQS konsistent und nachvollziehbar abgebildet sind.
Sie werten Ergebnisse systemisch aus und interpretieren Auffälligkeiten, Trends und Fallkonstellationen nicht nur dokumentationsbezogen, sondern als Hinweise auf mögliche Prozessbrüche.
Sie erkennen und steuern Prozessbrüche und analysieren die Versorgungskette vom erkannten Bedarf bis zur tatsächlichen Leistung und nutzen Tourenplanung, Rollen, Kompetenzmix und Schnittstellen gezielt zur Prozessverbesserung.
Wichtig:
Der Schwerpunkt liegt auf fachlicher Prozesssicherheit mit Vivendi-Anwendungsbezug.
Eine vertiefte Softwareadministration oder kundenspezifische Konfiguration ist nicht Bestandteil der Fortbildung. Masken, Automatismen und Datenquellen werden vor Durchführung mit der eingesetzten Vivendi-Version abgeglichen.
Inhalte:
- Valide Datenbasis: Was wird tatsächlich erhoben, wie entsteht eine belastbare Einschätzung und welche Informationen dürfen aus Dokumentation oder System nicht ungeprüft übernommen werden?
- Aktueller Pflegebedarf: Wie werden Veränderungen früh erkannt und so dokumentiert, dass Bewohnerzustand, Assessment, Maßnahmenplanung und Erhebungsdaten ein stimmiges Gesamtbild ergeben?
- Plausibilitätskette in Vivendi iQS: Bewohnerzustand <-> BI-Module <-> Pflegeplanung/Dokumentation <-> Ereignisse/Assessments <-> iQS-Erhebungsbogen.
- Systemische Ergebnisanalyse: Auffälligkeiten nicht nur fallbezogen "reparieren", sondern gezielt nach Prozessbrüchen suchen - vom Erkennen des Bedarfs über fachliche Entscheidung, Planung und Schnittstellen bis zu Durchführung, Dokumentation und Evaluation.
- Tourenplanung als Steuerungselement: Prüfen, ob der erkannte Pflegebedarf tatsächlich in der Leistungserbringung ankommt. Passen Leistung, Zeitpunkt, Frequenz, Dauer, Zuständigkeit und Kompetenz zum Bedarf - und wo entstehen wiederkehrende Brüche im Ablauf?
Methoden:
Vortrag/Präsentation, Gespräch/Diskussion, Arbeit in Kleingruppen, Einzelarbeit, Übungen.
Hinweis:
Diese Veranstaltung findet statt in Kooperation mit der Kath. Erwachsenen- und Familienbildung im Bistum Essen gGmbH
Zielgruppe
Team-/Wohnbereichsleitungen, Pflegedienstleitungen, Qualitätsmanagement-Beauftragte, Pflegefachkräfte.
Kosten
270,00 € bzw. 250,00 € für Mitarbeiter:innen in Einrichtungen und Diensten der Caritas.
Veranstaltungsnummer
03.004.27