Im Gespräch (v.l.n.r.): Michael Hegemann, Vorstand des Caritasverbandes für die Stadt Gelsenkirchen, Manfred Leichtweis, Erster Bürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, Ministerin Verena Schäffer, Stefanie Siebelhoff, Direktorin des Caritasverbandes für das Bistum Essen und Michael Niehaus, Teamleiter Flucht und Migration beim Caritasverband für die Stadt Gelsenkirchen. Fabio Guder | Caritas
"Wir lassen nicht zu, dass soziale Spannungen und Konflikte in Ückendorf instrumentalisiert werden, um Menschen mit Migrationsgeschichte herabzuwürdigen und abzuwerten. Unsere Gesellschaft braucht weniger Spaltung und mehr Zusammenhalt, um Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Daran arbeiten wir täglich in guter Kooperation mit Stadt, Ordnungsdiensten, Kirche und weiteren Partnern vor Ort", stellte Michael Hegemann, Vorstand des Caritasverbandes für die Stadt Gelsenkirchen e.V., bei einem Treffen am 5. Oktober mit der NRW-Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration Verena Schäffer klar. Auf Einladung der Caritas informierte sich die Ministerin zusammen mit dem ersten Bürgermeister Manfred Leichtweis über die Integrationsarbeit des Caritasverbandes in Ückendorf, einem Stadtteil von Gelsenkirchen, in dem viele Menschen unterschiedlicher Herkunft leben. Zuletzt hatte die AfD versucht, soziale Konflikte in diesem Stadtteil als Zuwanderungsprobleme umzudeuten.
Im IPA-Büro startet der Spaziergang durch Gelsenkirchen für Ministerin Verena Schäffer mit einem Pilgerausweis und einem Caritas-Stempel. Nicole Cronauge | Caritas
Konflikten vorbeugen
Auf einem etwa drei Kilometer langen Weg durch Ückendorf und Neustadt sprach die Ministerin unter anderem mit Mitarbeitenden des IPA-Büros, wo Polizei, Caritasverband und Ordnungsdienste eng zusammenarbeiten, um präventiv Konflikten vorzubeugen und das respektvolle Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen zu fördern. Mitarbeitende von Polizei, Ordnungsdienst und Caritasverband sind im Stadtteil präsent und suchen gemeinsam mit den Menschen vor Ort nach Lösungen, wenn es Konflikte in der Nachbarschaft gibt. Das IPA-Büro initiiert Begegnungen im Quartier und unterstützt gemeinschaftliche Aktionen, wie zum Beispiel die Gestaltung und Pflege des Wohnumfeldes.
Diskriminierungsfreie Orte für Kinder und Jugendliche
Weitere Etappen auf dem Weg durch Ückendorf waren die Quartiersarbeit Süd um die Heilig-Kreuz-Kirche und im Stadtteilbüro an der Bochumer Straße sowie zwei Treffpunkte für Jugendliche, die Freizeit- und Bildungsangebote machen. "Im Philipp-Neri-Zentrum finden Kinder und Jugendliche ein offenes Ohr für ihre Fragen und Themen und einen diskriminierungsfreien Ort, an dem sie ernst genommen werden und mitgestalten können", erklärte Caritasvorstand Hegemann das Konzept. Das Zentrum wird gemeinsam vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mit der katholischen Jugendsozialarbeit getragen, um Jugendlichen, die im Alltag oft mit Problemen, wie zerrissenen Familien, Arbeitslosigkeit und Diskriminierung, zu kämpfen haben, Orientierung und Halt zu geben.
Stefanie Siebelhof (rechts), Direktorin des Caritasverbandes für das Bistum Essen, warb bei Ministerin Verena Schäffer für verlässliche Finanzierung und gute Rahmenbedingungen der Integrationsarbeit. Nicole Cronauge | Caritas
Familiennachzug für gelingende Integration
Stefanie Siebelhoff, Direktorin des Caritasverbandes für das Bistum Essen, wies darauf hin, dass viele Kinder und Jugendliche darunter leiden, dass der Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte seit einem Jahr ausgesetzt ist: "Es ist politisch widersprüchlich, Integration einzufordern und zugleich familiären Halt zu verwehren. Unsere Beratungsdienste und die vielen Ehrenamtlichen erleben jeden Tag, was Trennung bedeutet: Angst, Verzweiflung und das Gefühl, die eigene Familie im Stich lassen zu müssen. Familiennachzug ist kein Zugeständnis, sondern eine Voraussetzung für gelingende Integration und Vertrauen in den Rechtsstaat", so Siebelhoff.
Arbeit bedeutet gesellschaftliche Teilhabe
Darüber hinaus seien Beschäftigung, ein eigenes Einkommen und die Anerkennung beruflicher Qualifikationen wichtige Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. "Integration bedeutet für uns, Menschen ganzheitlich zu unterstützen und ihnen verlässliche Wege zu gesellschaftlicher und beruflicher Teilhabe zu eröffnen. Die vielfältigen Angebote der Caritas schaffen Zugänge zu Sprache, Bildung, Beratung, Qualifizierung und Arbeit und begleiten Menschen auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben. Damit diese wichtigen Angebote auch künftig verlässlich bestehen und weiterentwickelt werden können, braucht es gute und nachhaltige Rahmenbedingungen. Gemeinsam tragen wir so zu mehr Teilhabe, gesellschaftlichem Zusammenhalt und einem guten Miteinander in Gelsenkirchen bei", erklärte die Caritasdirektorin.
Im Neustadttreff sprach Ministerin Verena Schäffer mit Frauen, die sich hier regelmäßig treffen, um sich auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Nicole Cronauge | Caritas
Frauen stark machen
Beim abschließenden Besuch im Neustadttreff, wo unter anderem die Integrationsagentur angesiedelt ist und verschiedene interkulturelle und soziale Angebote stattfinden, sprach die Ministerin mit einer Frauengruppe. Bei Kaffee und Tee tauschen die Frauen sich regelmäßig aus und planen Aktivitäten im Stadtteil, kochen oder basteln zusammen. Ziel der Caritas ist es, Frauen mit Migrationsgeschichte stark zu machen und zu motivieren, ihr Wohnumfeld und das Zusammenleben in ihrem Stadtteil eigenverantwortlich mitzugestalten.
Wertschätzung für Integrationsarbeit
"Danke für Ihre Arbeit, danke, dass Sie als Caritas so engagiert und mit Herzblut dabei sind", drückte die Ministerin ihre Wertschätzung für die Caritas-Mitarbeitenden aus. Bei allen Sorgen und angesichts des Zuspruchs für rechtsextreme Parteien setze die Landesregierung bewusst einen Gegenpol zu der aktuellen politischen Debatte. Schäffer betonte: "Nordrhein-Westfalen ist ein Einwanderungsland, Integration und Vielfalt sind uns wichtig."