Stefanie Siebelhoff ist Vorständin und Direktorin des Caritasverbandes für das Bistum Essen.Caritas | Nicole Cronauge
Wenn ich über Hoffnung spreche, denke ich nicht an rosarote Brillen. Hoffnung ist für mich keine Illusion. Sie ist eine Haltung. Ich habe das oft erlebt – in der Eingliederungshilfe, in der Sozialpolitik, im Gespräch mit der Familie. Situationen, in denen die Wirklichkeit hart war. Hoffnung bedeutete da nicht „Alles wird gut“. Hoffnung war: Ich sehe, wie es ist – und ich glaube trotzdem, dass mein Handeln etwas verändern kann.
Bischof Franz-Josef Overbeck sagt im Wort zum 1. Januar 2026:
„Wahre Hoffnung stellt sich der Wirklichkeit, wie sie ist, und gibt unserem Handeln Orientierung.“ Das ist ein starker Satz. Hoffnung heißt: Wir schauen hin. Auf Armut. Auf Einsamkeit. Auf Überforderung. Auf Konflikte. Und wir handeln. Hoffnung ist der Motor. Nicht die Ausrede. Wo haben Sie zuletzt erlebt, dass Hoffnung konkret wurde – für einen Menschen, für ein Projekt oder für Sie selbst?
Der Bischof sagt auch: „Christ sein bedeutet, auf Ausgleich und Versöhnung zu setzen, Menschen in all ihrer Vielfalt miteinander zu verbinden und die freiheitliche Demokratie zu stärken, die von Ausgewogenheit der Interessen und vom Kompromiss lebt.“ Das ist unser Auftrag. Brücken bauen. Vielfalt verbinden. Kompromisse ermöglichen. Gerade jetzt, wo Polarisierung zunimmt. Hoffnung heißt: Wir schaffen Räume für Dialog. Wir stärken Demokratie. Wir zeigen: Kompromisse zu finden, ist keine Schwäche, sondern eine Stärke.
Und damit sind wir beim Caritas-Kampagnenthema 2026: Generationenzusammenhalt. Hoffnung denkt immer an morgen. Sie fragt: Was bedeutet unser Handeln für die, die nach uns kommen? Das betrifft Pflege, Bildung, soziale Sicherung, Klima.
- Wie sorgen wir für gute Pflege, ohne die nächste Generation zu überlasten?
- Wie geben wir Kindern Chancen, egal woher sie kommen?
- Wie gestalten wir Systeme so, dass sie heute tragen und morgen nicht kollabieren?
- Wie handeln wir ökologisch, ohne Menschen zurückzulassen?
- Wie arbeiten wir Hand-in-Hand in diverser werdenden Teams?
Hoffnung und Generationengerechtigkeit gehören zusammen. Hoffnung, die nur das Heute kennt, springt zu kurz. Hoffnung, die das Morgen mitdenkt, ist gerecht. Was heißt das für uns?
- In der Beratung: Wir geben nicht nur Antworten, sondern Perspektiven.
- In unseren Aufgabenbereichen: Wir denken vernetzt und nachhaltig.
- In der Interessenvertretung: Wir bleiben dran – sachlich, beharrlich, konstruktiv.
Das braucht Kraft. Aber genau hier ist Caritas stark. Wir sind viele. Wir sind kompetent. Wir sind verlässlich. Wir sind Expertinnen und Experten für Hoffnung.
Zum Schluss ein Gedanke aus der Bibel, Jeremia 29,11:
„Denn ich weiß, welche Gedanken ich über euch habe – Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch Zukunft und Hoffnung zu geben.“
Lasst uns Hoffnung in unser Tun einfließen.
Lasst uns sehen, was ist.
Verbinden, wer da ist.
Gestalten, was sein kann.
Für die Menschen heute – und für die Generationen morgen. Oder, wie unser erweitertes Caritas-Motto es beschreibt: „Not sehen, verstehen und handeln!“ Tun wir es. Gemeinsam. Für Generationenzusammenhalt – und für eine Gesellschaft, die aus Hoffnung Kraft schöpft.
Stefanie Siebelhoff, Direktorin des Caritasverbandes für das Bistum Essen