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Stand: 20.11.2018

Reportage

Ambulante Pflege

Das Patienten-Lächeln motiviert

Dann startet sie den weiß-blau lackierten Kleinwagen. 13 Patienten in Sterkrade und Buschhausen warten auf sie.

Schwester Patricia mit Patient„Ich habe Spaß an der Pflege und an den Menschen“, Patricia Röhl mit Manfred FralaUlrich Wilmes / Caritas Bistum Essen

Patricia Röhl ist eine von mehr als 1100 Fachkräften der 33 ambulanten katholischen Pflegedienste zwischen Duisburg und Lüdenscheid. Jeden Tag besuchen die Pflegerinnen und Pfleger zwischen Rhein und Lenne rund 6500 Menschen, helfen ihnen, dass sie zu Hause wohnen können. "Ich mach den Job sehr gerne", sagt Schwester Patricia am Steuer. Seit 2004 ist die examinierte Altenpflegerin täglich auf Tour. "Ich mag vor allem die Beziehungen zu den Menschen und speziell bei Hausbesuchen die Konstanz." Nicht nur am Steuer merkt man, dass die unkomplizierte junge Frau weiß, wo es lang geht - und wo man schnell parken kann.

Mal in der Einbahnstraße links, mal privat hinter Vorgartenmauern, mal auf dem Anwohner-Parkplatz vor dem Hochhaus. Immer dort, wo sie kurz darauf den ihr vertrauten, zumeist alten Menschen begegnet. In der Ablage vor dem Schaltknüppel des Autos liegt der täglich neu zusammengestellte Tourenplan, ihr Tages- und Zeitplan. Um 6.11 Uhr begrüßt sie der erste Patient mit einer herzlichen Umarmung.

Manfred Frala ist Frühaufsteher, seine Frau hat die Schüssel mit warmem Wasser und dem Waschlappen auf der Kommode bereitgelegt. Ohne Patricias Hilfe könnten die Fralas mehrere Monate nach seiner doppelten Beinamputation hier nicht mehr zusammen leben. "Jetzt brauch ich die grüne Pferdedecke", scherzt der Mann und fragt so nach seinem samtigen Pullover. "Und heute überhaupt keine Rutsche…" Dank der beiden Frauen, die ihn mit Fachkenntnis und Entschlossenheit in seinen Rollstuhl heben, geht heute alles ohne die sonst übliche Kunstsoff-Rutsche. Als Schwester Patricia Fralas Gesicht und die Ohren mit Creme versorgt, lacht er - und erzählt von seiner Vergangenheit. "Bis Juni 2014 war ich für eineinhalb Jahre fast ununterbrochen Krankenhaus-Kunde. Es gab nicht wenige Tage, da wollte ich nicht mehr." Auch den Arzt sprach er an. "Dass ich alles aussichtlos fand, habe ich offen gesagt."

Patricia Röhl im Auto der ambulanten PflegediensteUnterwegs aus Überzeugung: Pflegerin Patricia RöhlUlrich Wilmes / Caritas Bistum Essen

Heute freut sich der passionierte Eishockey-Fan über gelegentliche Besuche bei seiner Düsseldorfer EG im Eishockey-Stadion. Die verlässliche Pflege und die willensstarke Begleitung seiner Frau machen außerdem Rollstuhl-Ausflüge ins Restaurant oder ins Grüne möglich. Die konstante Pflege, weiß Frala, bietet die solide Basis für alles, was er nach der Diagnose "Zucker" und den lebensrettenden Beinamputationen jetzt wieder unternehmen kann. Patricia Röhl muss weiter. "Danke, bis Morgen, in alter Frische", sagt Frala. Und gib ihr das Gefühl mit auf den Weg, dass sie auch über die Arbeit hinaus gern gesehen ist.

Auf der Suche nach einer Patientin

Wenige Straßen weiter setzt sie einer anfänglich dementen Patientin eine Insulin-Spritze, hört sich dann die Klage eines Besuchten über Arztbesuche bei Spezialisten an und wird vom nächsten Patienten schon mit einem Blick aus dem Fenster erwartet. Danach ein Schock: "Vier dunkle Zimmer zu durchsuchen, weil der Sohn einer Kundin uns die Einweisung der Mutter ins Krankenhaus nicht meldete, ist nicht witzig", sagt die Schwester, als sie nach vergeblicher Patientensuche ins Auto zurückkehrt. Bis zum Kontrollanruf im Hospital ist sie nervös. Denn trotz der streng durchgeplanten Liste, die die fünf Arbeitsstunden von Schwester Patricia bestimmt: "Mit den Gedanken bin ich häufig nah bei den Patienten." Die Pflegerin weiß, dass ein Haus-Unfall oder ein unentdeckter Zusammenbruch schnell schlimmere Folgen haben kann. Für heute ist die Tour geschafft. Fast.

Patricia Röhl vor dem Auto der ambulanten Pflegedienste Unterwegs aus Überzeugung: Pflegerin Patricia RöhlUlrich Wilmes / Caritas Bistum Essen

Zurück im Büro der Sozialstation blickt sie, begleitet von einem tiefen Durchatmen, auf ein hohes Regal mit fachweise durchgeordneten Vordrucken. "Manchmal geht die aufwendige Doku schon auf den Geist. Zumal es immer mehr wird", sagt Patricia. "Aber wenn Kolleginnen krank sind oder neue Patienten dazukommen, profitieren wir schon von guten Informationen; das erleichtert den Arbeitsablauf." Ob es Taktiken und Strategien braucht, um sich auch nach Jahren im vielfältig herausfordernden und körperlich anstrengenden Pflegejob zu motivieren? Die 34-Jährige, scheint es, braucht die nur selten. "Ich habe Spaß an der Pflege und an den Menschen. Das ist mein Ding. Wenn dichter Berufsverkehr oder Bedrückendes zur Last wird, darf der Zeitplan nicht zählen. Fünf Minuten Ruhe im abgestellten Auto sind immer drin." Für sie die beste Motivation: "Wenn ein Patient einen anlächelt, das ist mein Ding." Auch deswegen steigt sie auch Morgen wieder sehr früh in ihr Auto. (Text: Ulrich Wilmes)

Info: "Ihr Lächeln. Mein Ding." Mit einer aktuellen Kampagne setzt sich der Caritasverband für das Bistum Essen derzeit für ein besseres Bild der ambulanten Pflege ein. Videoblogs von Pflegenden, Interviews mit Patienten und Angehörigen und Infos gibt es unter
www.ihrlaecheln-meinding.de

- PI 016/2015 - Essen, den 27.03.2015

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