Für noch stärkere Bemühungen um eine respektvolle, kompetente Hospiz- und Palliativversorgung statt eines leichtfertigen Umgangs mit Hilfen zum Suizid spricht sich der Caritasverband für das Bistum Essen aus.
Angesichts des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar, das das Verbot der geschäftsmäßigen Hilfe beim Suizid für verfassungswidrig erklärt, verweist der katholische Sozialverband auf die langjährigen Erfahrungen der christlichen Hospiz- und Palliativbewegung: "Die meisten Menschen denken über einen assistierten Suizid nach, weil sie Schmerzen und Einsamkeit befürchteten, oder weil sie unter Depressionen leiden", sagt Frank Krursel, Fachreferent für palliative Versorgung bei der Caritas im Bistum Essen. "Gutes Schmerzmanagement, lindernde Pflege und einfühlsame Begleitung auch durch geschulte Ehrenamtliche können dagegen die Lebensqualität und den Lebenswillen erhalten. Denn auch psychisch schwierige Lebensphasen und die Sterbezeit gehören zum Leben, nicht zum Tod", so Krursel.
Bei indirekten Sterbehilfen wie etwa schmerzlindernden Morphium-Gaben, die gegebenenfalls die Lebenszeit verkürzen, gilt es laut Krursel abzuwägen. Denn das im Jahr 2015 eingeführte und jetzt gekippte Verbot habe Palliativmediziner unverdient in eine unsichere Rechtslage gebracht. Den assistierten Suizid, also die Bereitstellung tödlich wirkender Medikamente, die der Patient selbst einnehmen muss, lehne der katholische Sozialverband uneingeschränkt ab.
Die stetige Verbesserung von Palliativversorgung und Sterbebegleitung hat die Caritas für das Bistum Essen sich zur Daueraufgabe gemacht. Im Ruhrbistum gibt es 7 Palliative-Care-Pflegedienste, 6 stationäre Hospize und 15 ambulante Hospizgruppen und -vereine. Ein im Januar 2020 neu gestartetes Projekt der Caritas im Ruhrbistum und der Fachhochschule Münster untersucht derzeit die palliativen Kompetenzen in 16 beteiligten ambulanten Pflegediensten und Sozialstationen und befragt dazu Pflegefachkräfte, Hilfskräfte und Mitarbeiter in Hauswirtschaft und sozialer Betreuung. Ziel ist, aus unterschiedlichen Perspektiven einen Überblick über den Status Quo der Palliativversorgung zu gewinnen und daraus weitere Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten. Krursel: "Wir wollen den Patienten die letzten Wochen und Tage erleichtern. Sie sollen am Ende möglichst ohne Schmerzen, würdevoll und in vertrauter Umgebung leben und dann auch sterben können." (cs)
