Wie verzweifelt müssen Menschen sein, die darüber nachdenken, sich das Leben zu nehmen? Gut, dass es Menschen gibt, die in dieser schweren Lebenskrise ansprechbar sind und Unterstützung leisten, wie zum Beispiel Chantal Abt. Sie leitet beim Caritasverband für die Stadt Gelsenkirchen den Fachbereich Suizidprävention. Dazu gehören [U25] - die Mail-Beratung für junge Menschen mit suizidalen Gedanken - sowie Lebenslicht - eine Face-to-Face-Beratung.
Chantal Abt rät, Menschen, die Suizidgedanken äußern, ernst zu nehmen und ihnen zuzuhören.Peter Toussaint
Es ist bestimmt schwierig, mit jemandem über seine Suizidgedanken zu sprechen. Da kann man doch vieles falsch machen, oder?
Chantal Abt: Es ist verständlich, wenn sich Menschen in dieser Situation überfordert fühlen, aber eigentlich ist es nicht so schwierig zu reagieren. Das Allerwichtigste ist, einfach da zu sein, die Person ernst zu nehmen und das Gesagte nicht zu bagatellisieren. Äußerungen wie ‚Das machst du ja eh nicht‘ sind nicht hilfreich.
Sondern was hilft?
Chantal Abt: Es hilft den Menschen, wenn man ihnen zuhört und das mit ihnen aushält. Allein dadurch werden dann die Gedanken meist schon etwas leiser, weil sie merken, dass sie damit nicht alleine sind. Da ist jemand, der das mit ihnen trägt. Deswegen betonen wir in der Suizidprävention auch immer wieder, wie wichtig es ist, mit Menschen darüber zu sprechen, sie danach zu fragen. Nur so findet man heraus, ob sie Suizidgedanken haben. Anders würde man das ja gar nicht herausfinden.
Aber kann es nicht sein, dass ich Menschen erst dadurch auf die Idee bringe?
Chantal Abt: Nein. Wir wissen aus der Forschung, dass es eben nicht so ist, dass wir Menschen auf die Idee bringen, sondern dass es sie entlastet und sie dann auch eher das Gespräch mit uns suchen. Das ist genau das, was wir wollen: Ein Gespräch kann Leben retten.
Podcast
(v.l.n.r) Michael Denzin von der Essener TelefonSeelsorge, Chantal Abt und Selin Yazicioglu von [U25] Gelsenkirchen berichten im caritalks-Podcast darüber, wie ein Gespräch Leben retten kann. Christoph Grätz | Caritas
Im Podcast #123 caritalks - Ein Gespräch kann Leben retten - Suizidprävention im Fokus erklären Chantal Abt, ihre Kollegin Selin Yazicioglu von [U25] Gelsenkirchen und Michael Denzin von der Essener TelefonSeelsorge, was Anzeichen dafür sein können, dass jemand an Suizid denkt. Sie gehen darauf ein, wie Angehörige, Freund*innen oder Kolleg*innen reagieren können und wie sie selbst in ihrer täglichen Arbeit Menschen mit suizidalen Gedanken begleiten. Über Suizid zu sprechen, dürfe kein gesellschaftliches Tabu bleiben, so die drei Experten. Von der Politik wünschen sie sich vor allem, dass sie diese wichtige Arbeit verlässlich finanziell unterstützt.
Hilfe in Krisen:
Wenn du selbst an Suizid denkst oder dir Sorgen um jemanden machst, bist du nicht allein. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 sowie online auf www.telefonseelsorge.de/
Junge Menschen unter 25 Jahren finden Unterstützung per Mail bei [U25] www.u25.de/
Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahren sowie ihre Bezugspersonen können sich für ein Beratungsgespräch an Lebenslicht wenden, ein spezialisiertes Angebot der Caritas Gelsenkirchen.