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Stand: 29.07.2019

Pressemitteilung

Rückkehrer

25 Jahre Hilfe für abgelehnte Asylbewerber vom Balkan

"Die Shabans haben keine guten Chancen", erzählt die 70-Jährige. "Ich helfe ihnen, dass sie nach der Ablehnung ihres Asylantrages in Deutschland persönlich und wirtschaftlich in ihrer neuen, alten Heimat Fuß fassen." 

Gisela Müller engagiert sich ehrenamtlich bei der Organisation "Nadez" für rückkehrende Flüchtlinge nach Mazedonien. "Nadez: Das heißt Hoffnung", sagt Gisela Müller und weiß, dass in Deutschland über abgelehnte Asylbewerber aus Mazedonien und deren Zukunft derzeit niemand spricht. Anders 1991, als der Caritasverband für das Bistum Essen im Auftrag der NRW-Landesregierung mit der Betreuung von Balkan-Rückkehrern begann. Seit jetzt 25 Jahren hilft die Caritas vor allem Roma-Familien, die wieder in ihre Heimat gehen - sie will die Rückkehr der früheren Flüchtlinge menschlich gestalten. Etwa mit dem "Patenschaftsprojekt Skopje", bei dem die Caritas um Unterstützung für diese Familie wirbt, Spenden sammelt und diese weiterleitet. 

Patin Gisela Müller und Projektkoordinator Martin StockmannPatin Gisela Müller und Projektkoordinator Martin Stockmann Christoph Grätz

Inzwischen setzt der mazedonische Verein "Zentrum für soziale Initiativen NADEZ" das Caritas-Patenschaftsprojekt vor Ort um. Die Caritas-Initiative ist heute ohne öffentliche Förderung allein auf die Hilfe von Spenden angewiesen. "Es ging und geht dabei um die Verbesserung der Lebenssituation im Herkunftsland", erklärt Martin Stockmann, der das Projekt beim Diözesan-Caritasverband koordiniert. "Das ist die Fluchtursachenbekämpfung, die heute wieder im Zusammenhang mit den Flüchtlingsdramen im Mittelmeer gefordert wird", so Stockmann. Gleichzeitig ende die Aufmerksamkeit für Abgeschobene meist an der deutschen Grenze. "Es müsste mehr Menschen geben", sagt Gisela Müller, "die sich für die Zukunft abgelehnter Asylbewerber interessieren." Hilfe in deren Heimat, oft auch mit vielen Worten als politisches Ziel formuliert, sei entscheidend. "Schließlich haben sich all diese Menschen keineswegs grundlos auf den Weg nach Deutschland gemacht."  

Ihr Engagement begann 1995. Die damals 50-Jährige brachte bei sich eine sechsköpfige Roma-Familie unter. Die siebenjährige Tochter, ältestes Kind der Familie, war  gerade erst in der Grundschule gestartet. Müller räumte private Räume in ihrem Haus, machte Platz für die Familie. Die Mazedonier lernten Deutsch. In der Gemeinde fanden sie Kontakte über persönliche Gespräche in einem Bibelkreis. Dann musste die Familie zurück nach Mazedonien. Das war 1996, damals begann Müller, die Familie beim Neustart in der alten Heimat zu unterstützen - und tut das heute immer noch. 

Mit ihren Spenden für das Caritas-Patenschaftsprojekt sorgte sie für Schulmaterialien, Fahrgeld und Bücher. Und sie hielt durch, obwohl zwei Kinder die Ausbildung - eine davon auch wegen einer sehr frühen Hochzeit - abbrachen. "Heute kostet der Lebensunterhalt für eine Familie in Mazedonien 200 bis 250 Euro", weiß die engagierte evangelische Christin. Damals förderte sie den jüngsten Sohn der Familie erfolgreich - bis zum Ende der achtjährigen Schulzeit. Sein Traum einer Arbeitsstelle blieb unerfüllt. In der Roma-Siedlung fehlten der Familie die nötigen Beziehungen. 

"Wenn abgelehnte Flüchtlinge zurück müssen, wird das menschlich oft zur Extrem-Belastung. Ihre Lebenssituation in der Heimat ist nach der Flucht ja nicht besser als vorher. Das sehen wir in Mazedonien ganz aktuell", erklärt Caritas-Experte und Nadez-Mitbegründer Martin Stockmann. Warum ihr diese Unterstützung gerade nach einem ablehnenden Asylbescheid wichtig ist, formuliert Patin Gisela Müller unaufgeregt. "Ich bin Christin - und ein Mensch, der bei Schwierigkeiten und Rückschlägen nicht so schnell aufgibt."

Ob die aktuelle Arbeitssuche von Nazlija und ihrem Sohn Mevlan Erfolg hat, weiß Müller nicht. Sie ist pragmatisch. "Zuerst ging es um die korrekte Meldung bei der Arbeitsbehörde." Nur das garantiere in Skopje den sowieso schon geringfügigen Krankenversicherungsschutz. "Als erstes versprach also der Gang zum Amt ein Stück Zukunft." Die Shabans haben mit Hilfe ihrer Patin Giesela Müller eine Holzhütte bezogen. Im Skopjer Stadtteil Shutka, der weltweit größten Roma-Siedlung, liegt die Arbeitslosigkeit bei 82 Prozent. "In der 20-Quadratmeter-Unterkunft hatte im Winter eine arme Frau provisorisch gewohnt", berichtet Müller. Mevlan wird mit seiner Mutter zuerst das undichte Dach ersetzen. Ein Neuanfang, ganz anders als in Deutschland. Weitere Infos unter www.caritas-essen.de (Text: Ulrich Wilmes / mik)

Die Caritas bittet um Spenden für die Arbeit mit Rückkehrern:

Stichwort "Patenschaftsprojekt Skopje" 
Empfänger: Caritasverband für das Bistum Essen e.V.
IBAN DE75 3606 0295 0000 0144 00
BIC GENODED1BBE
Kontonummer 14 400, BLZ 360 602 95 (Bank im Bistum Essen)

Auskünfte erteilt: 

Martin Stockmann, Tel. 0201 81028 114; martin.stockmann@caritas-essen.de

 

 

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Das Patenschaftsprogramm Skopje - Information für Spender