Koordiniert wird ihr Engagement von Mitarbeitenden der Caritas, der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung und weiteren christlichen Trägern.
Leih-Oma Gabriele Hömig-Kaspar mit Tilda und Papa FelixCaritas | Nicola van Bonn
Tilda* klappert mit dem Geschirr der Spielküche und meldet sich mit lauten Zwischenrufen zu Wort. Gabriele Hömig-Kaspar, ihre Leih-Oma, lässt sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Sie betreut Tilda ein- bis zweimal in der Woche für einige Stunden und entlastet so die Eltern in ihrem anstrengenden Alltag mit Kleinkind. "Ich finde es schön, wenn ich anderen von meiner Zeit etwas schenken kann", sagt die 67-jährige Rentnerin, die selbst dreifache Oma ist. Auf das Ehrenamt als Leih-Oma ist sie über eine Annonce aufmerksam geworden. "Ich habe Kinder sehr gern und finde es toll, ihre Entwicklung zu beobachten und zu begleiten."
Einmal in Ruhe duschen
Für Tildas Eltern ist Hömig-Kaspar wie ein Engel, der ihnen Freiräume und Zeit zum Durchatmen verschafft. "Wellcome-Engel" werden die 15 Leih-Omas genannt, die im Oberhausener "Wellcome"-Projekt junge Familien nach der Geburt ihres ersten Kindes für etwa ein Jahr betreuen. "Ich wäre so glücklich, wenn ich einfach mal in Ruhe duschen könnte!", habe ihr Tildas Mutter bei der ersten Begegnung gesagt, erinnert sich Hömig-Kaspar. Sie sei dann kurzerhand noch eine Stunde mit Tilda spazieren gegangen und Tildas Mutter habe sich den Wunsch nach einer ausgiebigen Dusche erfüllt. "Das werde ich nie vergessen", sagt Hömig-Kaspar. Ihr zeigt dieser Satz bis heute, wie entlastend für junge Eltern schon wenige Stunden Unterstützung sein können.
Leih-Oma unterstützt im Alltag
"Das ist sehr wertvolle Zeit für uns", bestätigt Tildas Vater Felix (41). Der Ingenieur ist immer mal wieder für mehrere Tage oder Wochen im Ausland auf Montage. Vor allem dann sei die Familie auf Unterstützung angewiesen, denn Tildas leibliche Großeltern leben etwa 600 Kilometer entfernt. Leih-Oma Gabriele ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch wenn Tilda bereits im Januar ein Jahr alt geworden ist, kommt Hömig-Kaspar immer noch regelmäßig, um etwas mit ihr zu unternehmen. "Meistens gehen wir an die frische Luft, spazieren oder auf den Spielplatz. Neulich waren wir bei mir zu Hause, weil wir Meerschweinchen bekommen haben. Da hat Tilda dann auch meine Enkelkinder kennengelernt", erzählt Hömig-Kaspar.
Erste-Hilfe-Kurs ist Pflicht
Dass sich Tilda bei ihrer Leih-Oma wohlfühlt, ist für ihre Eltern eine große Erleichterung. Gleich beim Kennenlernen haben sie gemerkt, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt. Falls es zwischen einer Familie und der Leih-Oma mal nicht so optimal läuft, ist Diane Nottebohm ansprechbar. Die Koordinatorin von der Caritas Oberhausen und ihre Kollegin Ille Lauterfeld vom Evangelischen Familien- und Erwachsenenbildungswerk vermitteln bei Konflikten und bereiten die "Wellcome-Engel" auf ihren Einsatz vor. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist ebenso Pflicht wie ein Präventionskurs des Bistums Essen, der die Ehrenamtlichen für das Thema "Gewalt und Missbrauch" sensibilisiert.
Wellcome-Projekt wirkt präventiv
Nottebohm betont, dass das Wellcome-Projekt allen Familien offensteht: "Wir wollen Familien helfen, ihren Alltag zu bewältigen. Dafür braucht man keine besonderen Herausforderungen - das Leben mit Kind ist ja schon eine Herausforderung an sich." Dennoch gebe es in Oberhausen viele von Armut belastete Familien und auch solche, die bereits vom Jugendamt durch die Familienhilfe oder eine Hebamme unterstützt werden. Nottebohm: "Deswegen ist es gut, dass wir hier an die Caritas angedockt sind, an die Schwangerenberatung und die Erziehungsberatung." So arbeiten die unterschiedlichen Dienste und Hilfen vernetzt und aufeinander abgestimmt. Denn das Wellcome-Projekt soll präventiv wirken, "damit die ganz großen Belastungen erst gar nicht entstehen".
Leih-Großeltern arbeiten ehrenamtlich
Für die Familien ist das Angebot kostenlos, weil es von der Bundesstiftung "Frühe Hilfen" finanziert wird. Auch wenn die "Wellcome-Engel" ehrenamtlich arbeiten, so entstehen doch Kosten für die Koordination, Fortbildung und Auslagen der Ehrenamtlichen. Und aus Sicht von Tildas Papa Felix ist Leih-Oma Gabriele sowieso unbezahlbar: "Ich kann Dinge planen oder einfach liegen lassen, bis sie kommt. Das gibt mir ein viel besseres Gefühl." (nvb)
Info:
Junge Eltern, die Unterstützung suchen, und Ehrenamtliche, die sich als "Wellcome-Engel" engagieren möchten, können sich direkt an die Standorte in Oberhausen, Duisburg, Essen und Bochum wenden. Weitere Informationen gibt es unter www.wellcome-online.de.
Podcast:
Hören Sie auch die aktuelle Podcastfolge von caritalks zum Wellcome-Projekt: https://caritalks.podigee.io/
*Name geändert