URL: www.caritas-essen.de/aktuelles/presse/erste-afrikanische-gemeinde-macht-bei-deutscher-pfarr-caritas-mit-d97d6006-62b3-4e68-b2f1-e4ce4a22c7
Stand: 29.07.2019

Pressemitteilung

CKD

Erste afrikanische Gemeinde macht bei deutscher Pfarr-Caritas mit

Afrikanische Lebens- und Glaubensfreude trifft auf deutsche Strukturen organisierter Nächstenliebe: In einem fröhlichen Gottesdienst mit viel Musik und Tanz hat die katholische Gemeinde der englischsprachigen Afrikaner im Ruhrbistum am Sonntagnachmittag, 30. Juni, in der gut gefüllten Essener St.-Gertrud-Kirche ihre eigene Caritas-Gruppe gegründet. Was zunächst fast banal klingen mag, nennt Diakon Winfried Rottenecker nicht weniger als einen "Dammbruch" in seiner Arbeit. "Die muttersprachlichen Gemeinden vermitteln in erster Linie Gefühle und Kultur der Heimat", so Rottenecker. Mit der Caritas-Gruppe kreisten die afrikanischen Katholiken im Ruhrbistum nun jedoch nicht mehr nur um sich selbst, sondern integrierten sich in das katholische Hilfesystem, getreu dem Caritas-Motto: Not sehen und handeln - ganz unabhängig von Herkunft und Gruppenzugehörigkeit. "Die Afrikaner bringen ihre ganze Man-Power, ihren Glauben und ihre Fröhlichkeit mit ein und verbinden sich mit den deutschen Strukturen - und den deutschen Finanztöpfen", sagt Rottenecker. 

Mit den rund 60 neuen afrikanisch-stämmigen Mitgliedern der "Caritas-Konferenzen Deutschlands" (CKD) in St. Gertrud werde sich die Zahl der ehrenamtlichen Caritas-Mitarbeiter in der Essener Innenstadtpfarrei auf einen Schlag mehr als verdoppeln, freut sich der Diakon. Zudem werde sich der Altersdurchschnitt der meist von älteren Damen getragenen CKD-Gruppen in St. Getrud "drastisch senken". Allerdings kämen mit den neuen Mitarbeitern auch neue Aufgaben auf die Caritas zu, erwartet Rottenecker. Unter anderem werde es darum gehen, die vielen Möglichkeiten des deutschen Hilfesystems - zum Beispiel mit Blick auf Kinderbetreuung - durch die afrikanischen Caritas-Engagierten auch in deren Gemeinde bekannt zu machen. 

Hoffnungszeichen für die Zukunft der Caritas-Gruppen 

Fühlen sich die oft langjährigen deutschen CKD-Mitglieder von so viel Power und fremder Kultur nicht womöglich überrollt? "Die Sorge mag es geben, ich sehe in dem Schritt jedoch eher ein Zeichen der Hoffnung", so Rottenecker. Die etablierten Caritas-Gruppen gälten vielerorts als überaltert und nicht mehr zeitgemäß. In St. Gertrud zeigten nun die afrikanischen Christen, dass dies mitnichten so sei. Und mit Blick auf die vielen anderen muttersprachlichen Gemeinden in der Essener Innenstadt erwartet Rottenecker, "dass das Beispiel Schule macht". Jugendliche der syrischen Gemeinde etwa, versucht Rottenecker aktuell zu einem Jugendleiterkurs in der Bischöflichen Jugendbildungsstätte Haus St. Altfrid in Essen-Kettwig zu motivieren, um sie anschließend als Jugendleiter einsetzen zu können. 

St. Gertrud beheimatet die meisten muttersprachlichen Gemeinden 

Mehr als in einer anderen der 42 Pfarreien des Ruhrbistums konzentrieren sich in St. Gertrud Gemeinden aus Katholiken, die in den vergangenen Jahrzehnten aus anderen Ländern ins Ruhrgebiet zugewandert sind und bis heute in ihren Gemeinden ihre Sprache und ihre heimische Glaubenspraxis pflegen. "Zählt man Deutsch und die Gebärdensprache mit, wird in unserer Pfarrei am Wochenende in elf Sprachen Messe gefeiert", berichtet Rottenecker. Die Mitglieder der muttersprachlichen Gemeinden leben oft über das gesamte Bistum verstreut - teils sogar darüber hinaus - und treffen sich zum Gottesdienst und zu anderen Gemeindeaktivitäten in einer zentralen Kirche, die sie sich in der Regel mit einer deutschen Ortsgemeinde teilen. Unter anderem auf Grund der zentralen Innenstadtlage mitten im Ruhrgebiet sind zahlreiche muttersprachliche Gemeinden in Kirchen der St.-Gertrud-Pfarrei zuhause. Dort haben sie zum Beispiel Sitz und Stimmrecht im Pfarrgemeinderat, das die Gemeinden aber nur sehr unterschiedlich wahrnehmen. Wenn die afrikanische Gemeinde nun Teil der Pfarr-Caritas wird dürfte dies für die muttersprachlichen und die Ortsgemeinden auch andere Strukturfragen neu zur Diskussion stellen. (Thomas Rünker)