Was als Soforthilfe nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021 begann, hat sich zum Resilienzstärkungsprogramm weiterentwickelt: Der Caritasverband für das Bistum Essen sowie die Ortscaritasverbände in Essen und Altena-Lüdenscheid richten ihre Arbeit konsequent auf das Resilienzstärkungsprogramm des Deutschen Caritasverbandes aus. Das Programm zielt darauf, die Caritas auf künftige krisenhafte Situationen gut vorzubereiten. Dafür steht dem Netzwerk der Caritas im Bistum Essen für die Projektlaufzeit von Januar 2026 bis Dezember 2027eine Summe von 500.000 Euro zur Verfügung.
Am vergangenen Mittwoch, 25. März 2026, informierte sich eine Delegation des Hilfswerks Caritas international (CI), das für Katastrophenhilfe zuständig ist, über die strategische Neuausrichtung und die konkreten Projekte. Philipp Schröder (Nationale Katastrophenhilfe), Peter Seidel (Projektreferent) und Susanne Glöer (Finanzen) besuchten Projekte vor Ort in Essen.
"Im Mittelpunkt steht nicht mehr allein die Bewältigung vergangener und aktueller Krisen, sondern die systematische Vorbereitung auf künftige Herausforderungen", erklärte Stefanie Siebelhoff, Diözesan-Caritasdirektorin in Essen und Co-Sprecherin der Caritas in Nordrhein-Westfalen (NRW). Sie trägt seit Mitte 2025 die Themenverantwortung für Krisenresilienz der Caritas in NRW. "Die Caritas ist seit jeher gesellschaftlicher Risikomanager und Krisenbewältiger - das liegt in unserer DNA. Aber die Krisen verändern sich dramatisch: Extremwetter durch den Klimawandel, Energieausfälle, geopolitische Spannungen mit ihren Folgen für Migration, Versorgungsketten und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Darauf müssen wir neue Antworten finden. Die Caritas muss unter Krisenbedingungen reaktionsfähiger werden."
"Caritas macht Klima - ein Pilotprojekt in Essen setzt Maßstäbe
Beim Ortstermin in Essen präsentierte das Team des Caritasverbandes für die Stadt Essen das Teilprojekt "Caritas macht Klima - Stark in der Krise". Dieses sensibilisiert für Risiken durch Extremwetterereignisse und Krisensituationen und hilft den Diensten der Caritas-SkF-Essen-Familie angemessen zu handeln. So entwickelt das Projektteam Krisenleitfäden für sämtliche Arbeitsbereiche angepasste Krisenpläne, die Szenarien wie Stromausfall, Heizungsausfall, Starkregen, extreme Hitze oder Personalausfall abdecken. Bis Ende des Jahres sollen auch für alle weiteren Dienste der Caritas-SkF-Essen-Familie individuelle Krisenpläne entwickelt sein. Das Projektteam übernimmt die Schulung der Kolleginnen und Kollegen und unterstützt bei der Umsetzung.
Darüber hinaus engagiert sich der Caritasverband für die Stadt Essen im lokalen Krisenmanagement, indem er seine sozialfachliche Expertise gezielt in die kommunale Katastrophenvorsorge einbringt und sich mit Feuerwehr, Maltesern und weiteren Akteuren der Katastrophenhilfe vernetzt. "So entsteht eine Brücke zwischen der klassischen Gefahrenabwehr und der sozialen Unterstützung vulnerabler Bevölkerungsgruppen im Krisenfall, die besonders wichtig ist - eine Erkenntnis aus der Fluthilfe", sagt Dana Erl, Vorstandsreferentin im Caritasverband für die Stadt Essen.
"youngcaritas macht Klima - Krisenresilient in die Zukunft" ist das zweite Teilprojekt. Hier wird das Thema Krisenresilienz gezielt in bestehende Angebote und Aktionen für junge Menschen integriert. Gemeinsam mit Jugendlichen werden interaktive und realitätsnahe Planspiele entwickelt. Dabei versteht sich youngcaritas als außerschulischen Lernort und produziert beispielsweise Videos zum richtigen Umgang mit Extremwetterereignissen und Krisen.
Altena-Lüdenscheid: Von der Fluthilfeberatung zur krisenbezogenen Offenen Caritasarbeit
Der Caritasverband Altena-Lüdenscheid hat nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 im Märkischen Sauerland rund 160 Haushalte mit etwa 320 Hochwassergeschädigten beraten und unterstützt. "Die Fluthilfeberatung ist seit Januar 2024 das einzige örtliche Angebot zur Unterstützung der Betroffenen und bearbeitet bis heute komplexe Fälle rund um die Beratung und Abwicklung der Wiederaufbauhilfe des Landes NRW", erklärt Stefan Hesse, Direktor des Caritasverbandes Altena-Lüdenscheid.
Parallel dazu hat der Verband mit dem Projekt "NOAH bewegt" rund 750 junge Menschen zu Themen wie Trinkwasser, Waldschutz und den UN-Nachhaltigkeitszielen für Klimaschutz und Krisenresilienz sensibilisiert. In der aktuellen Förderphase soll nun die Katastrophenvorsorge systematisch in die Caritas-Beratungsdienste eingebunden werden. So baut beispielsweise die "Allgemeine Sozialberatung" Angebote zu individueller Resilienz und Traumabewältigung auf, um Menschen stark zu machen, die besonders anfällig für Krisen sind. Auch auf der kommunalen Ebene bringt sich die Caritas in der Krisenvorsorge ein. Alle Erkenntnisse aus den Projekten werden gesichert und für künftige Krisen dokumentiert.