Manuela Jeiteh, die Leiterin der Kita Saltkrokan in EssenCaritas / Christoph Grätz
"Weinende Kinder, die orientierungslos sind und keinen Anschluss finden - das ist die Folge eines Kita-Alltages mit häufiger Notbetreuung. Das System und die Kinder brauchen Stabilität und Kontinuität. Das für mich wichtigste Ziel ist eine qualifizierte und verlässliche Betreuung und Bildung von Kindern und Begleitung der Familien. Bei allem, was die Kita leisten soll, müssen wir dabei die Fachkräfte im Blick behalten", so bringt es Manuela Jaiteh auf den Punkt, die die Kita Saltkrokan im Essener Stadtteil Hörsterfeld leitet. Damit benennt sie ein wesentliches Problem der Kitas: Notgruppen und Betreuungsausfälle bei gleichzeitig hohen Erwartungshaltungen an die Qualität der Bildung. Um das System zu verbessern, wird es demnächst eine weitere Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) geben, so das erklärte Ziel der Landesregierung.
Sie sind sich in der Sache einig: eine verlässliche Betreuung von Kindern (v.l.n.r.): Dr. Anette Bunse (CDU), Irmgard Handt, Verena kleine Holthaus, Manuela Jaiteh, Jens Kamieth (CDU), Andreas Bierod.Caritas / Christoph Grätz
Aus diesem Grund hatte die Diözesan Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Tageseinrichtungen für Kinder im Bistum Essen (DiAG KTK) am Mittwoch, 25. März 2026, die NRW-Parlamentarier Jens Kamieth (CDU) und Dr. Anette Bunse (CDU) zum fachlich politischen Austausch in die Kita Saltkrokan im Hörsterfeld eingeladen. Vor dem Hintergrund der KiBiz-Reform diskutierten Verena kleine Holthaus, Vorsitzende der DiAG KTK und Geschäftsführerin des Kita Zweckverbandes Essen, Andreas Bierod, Geschäftsführer der Caritas-SkF-Essen gGmbH (cse), und Irmgard Handt, Abteilungsleiterin beim Caritasverband für das Bistum Essen, notwendige Kurskorrekturen.
Besinnung auf den eigentlichen Auftrag
Die im KiBiz geplante Einführung von Kern- und Randzeiten sei nicht die Lösung, so cse-Geschäftsführer Andreas Bierod. Stattdessen forderte er mehr Flexibilität und Eigenverantwortung der Kita-Träger beim Einsatz von Personal. Diskutiert wurde, wie dabei Qualität in der Betreuung und Bildung erhalten bleiben können. Bei allen Bemühungen, für verlässliche Betreuung zu sorgen, dürfe das nicht aus dem Blick geraten. "Nicht der Erhalt der Arbeitsfähigkeit der Eltern ist der Auftrag von Kitas, auch wenn diese über eine verlässliche Betreuung dazu beitragen," sagte Irmgard Handt. "Kita-Zeit ist nicht nur bloße Betreuungszeit, sondern wichtige Bildungszeit, die sich auf lange Sicht für Kinder, Eltern und die Gesellschaft auszahlt."
Fokus Chancengerechtigkeit
Die Vertreterinnen der Arbeitsgemeinschaft wiesen darauf hin, dass es in Kitas, die vermehrt Kinder aus Familien mit sozialen Problemstellungen betreuen, besonderer Förderprogramme bedürfe. Aktuell gibt es diese bereits, wie zum Beispiel Sprachförderung und Familienzentren, die auch das familiäre Umfeld des Kindes mit in den Blick nehmen. Aus Sicht der Trägervertreter sollten diese Förderschwerpunkte ausgeweitet und nicht, wie im Konzept der "Chancen-Kitas" geplant, zusammengelegt werden. "Da greift die Reform des KiBiz zu kurz. Es besteht die Gefahr, dass Mittel nicht mehr zielgerichtet eingesetzt werden. Wir brauchen vielmehr eine Weiterentwicklung jetziger Förderprogramme, damit echte Chancengerechtigkeit entsteht", betonte die Geschäftsführerin des Kita-Zweckverbandes Verena kleine Holthaus. (ChG)
Die Forderungen der DiAG KTK im Überblick:
- Dauerhaft kostendeckende Finanzierung der Kitas
- Bürokratieabbau
- Einführung einer Inklusionspauschale, die Organisation, Ausstattung, und Multiprofessionalität finanziert
- Erhalt des Fachkraft-Kind-Schlüssels bei flexibleren Gruppengrößen und Betreuungszeiten
- Modellprojekt im Ruhrgebiet: Von der PlusKita zur Kita Sozialarbeit. Ein Programm für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und Familien mit Multiproblemlagen
Die DiAG KTK
Die Diözesan-Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Tageseinrichtungen für Kinder im Bistum Essen (DiAG KTK) widmet sich der vorschulischen Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern im Alter von 0 bis zum Schuleintritt. Sie vertritt die Interessen von insgesamt rund 280 Kitas im Bistum Essen.
Zum Hintergrund: Derzeit arbeitet die nordrhein-westfälische Landesregierung aus CDU und Bündnis 90/Die Grünen an einer Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz). Das Gesetz regelt die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung in Nordrhein-Westfalen (NRW) und legt die Grundlagen der frühkindlichen Bildung fest.