SkF-Fachberaterin Marina Blessing hat die Geschichte zusammen mit einer Pflegemutter geschrieben. Caritas | Nicola van Bonn
Das Kinderbuch "Wie der Fuchs in die Dachsfamilie kam", herausgegeben vom Pflegekinderdienst des Sozialdienstes katholischer Frauen in Bochum, erzählt beispielhaft die Familiengeschichte eines Pflegekindes, versetzt in die Tierwelt. Anhand von liebevoll gezeichneten Bildern und in kindgerechter Sprache vermittelt es die Botschaft: Familie ist der Ort, wo man angenommen und geliebt ist, füreinander sorgt und zusammenhält.
Pflegekinder haben oft traumatische Erfahrungen gemacht - meist in einem Alter, in dem sie selbst noch nicht sprechen können und für das Erlebte keine Worte haben. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Bochum hat deshalb ein Buch veröffentlicht, das den Kindern und ihren Pflegefamilien dabei helfen soll, sich mit der eigenen Geschichte und Biographie auseinanderzusetzen.
Sylvia Becker von der Caritas-Stiftung im Bistum Essen, SkF-Fachberaterin Irmela Dickel, SkF-Fachberaterin Marina Blessing, SkF-Geschäftsführerin Martina Kastenmaier-Koch (v.l.n.r.) freuen sich über das Erscheinen des Kinderbuches.Caritas | Nicola van Bonn
Kindgerecht erzählt
"Wie der Fuchs in die Dachsfamilie kam" heißt das Buch, das mit finanzieller Unterstützung der Caritas-Stiftung im Bistum Essen erschienen ist. "Es geht darum, für die eigenen Gefühle und Empfindungen, die die Kinder nicht zuordnen können, Worte zu finden und sich selbst besser zu verstehen", erläutert Marina Blessing (35), die beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Bochum Pflegefamilien begleitet. Das Buch handelt vom kleinen Fuchs Jakob, dessen Eltern sich nicht gut um ihn kümmern können und ihn allein lassen. Bärenfrauen bringen Jakob zu den Wildgänsen, die ihn vorübergehend aufnehmen, bis sich eine Dachsfamilie gefunden hat, die dem kleinen Fuchs ein neues Zuhause gibt.
Tatsächlich gibt es den kleinen Jakob*, für den seine Pflegemama - im Buch die "Dachsmama" - seine Geschichte in Tierfiguren übersetzt und aufgeschrieben hat. Geholfen hat ihr dabei SkF-Mitarbeiterin Marina Blessing. Als Autorin will die "Dachsmama" anonym bleiben. "Wir haben entschieden, dass wir es Jakob* selbst überlassen, wem er erzählt, dass es sich um seine eigene Geschichte handelt", erläutert Blessing.
Seine eigenen Wurzeln kennen
Jakobs* Pflegemutter ist vor allem die Botschaft wichtig, dass Familie nicht nur durch Geburt und Verwandtschaft, sondern eben auch durch Liebe, Fürsorge und Zusammenhalt entsteht. Dennoch gehöre die Herkunftsfamilie ebenso wie die Pflegefamilie zum Kind und dürfe ihm nicht vorenthalten werden. "Wer seine eigenen Wurzeln kennt und angenommen hat, kann gut wachsen, um stark und zufrieden zu werden. Dieses Buch soll Kindern helfen, ihre Geschichte zu verstehen - in ihrem eigenen Tempo und mit der Möglichkeit, sich zu identifizieren oder Abstand zu nehmen."
SkF-Mitarbeiterin Irmela Dickel (58) berichtet von einem konkreten Fall, bei dem das Buch vom kleinen Fuchs einem Kind den Wechsel von einer vorübergehenden Pflege in eine Dauerpflegefamilie erleichtert habe. Auch für die Bereitschaftspflegeeltern sei es wichtig gewesen, mit dem Kind offen darüber sprechen zu können, dass sie - im Bild des Buches ausgedrückt - "eine Wildgänsefamilie sind und dass nun eine Dachsfamilie gefunden wurde, die ein offenes Herz und einen offenen Geist dafür hat, einem kleinen Jungen eine ‚Für-Immer-Familie‘ zu werden", berichtet Dickel.
Liebevolle Illustrationen
Dass die Geschichte bei Kindern und Eltern so gut ankommt, ist auch den emotionalen Bildern von Ortrud Riedesel-Hilse zu verdanken, die ihre Zeichnungen kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Die fast 90-jährige Künstlerin habe sich im Entstehungsprozess tief in die Gefühlswelt von Kindern, Eltern und Pflegeeltern hineinversetzt und diesen auf liebevolle und intensive Weise in ihren Zeichnungen Ausdruck verliehen, würdigt SkF-Geschäftsführerin Martina Kastenmaier-Koch (45) das Engagement. Sie wünscht sich, dass das Buch dazu beiträgt, "dass Pflegekinder nicht stigmatisiert werden. Es darf nichts Außergewöhnliches oder Beschämendes sein, ein Pflegekind zu sein - es ist eine von vielen normalen Familienformen. Wir möchten dazu beitragen, dass Kinder in Pflegefamilien selbstverständlich dazugehören und nicht mit dem Finger auf sie gezeigt wird. Das Buch schafft eine Sprache, die Vielfalt von Familie sichtbar macht und Kindern vermittelt: Du bist richtig, so wie du bist, und deine Geschichte gehört zu dir."
*Name geändert
Weitere Infos:
Das Buch "Wie der Fuchs in die Dachsfamilie kam" ist ab sofort über den SkF Bochum, Kontakt: martina.kastenmaier-koch@skf-bochum.de, sowie im Buchhandel, ISBN 978-3-87468-525-2, erhältlich.
SkF-Pflegekinderdienst Bochum:
Der SkF Bochum ist Träger im Bereich "Westfälische Pflegefamilien". Dabei handelt es sich um eine besondere Form der Vollzeitpflege für entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche. Weitere Informationen unter Telefon 0234/ 95501-22 oder per E-Mail: martina.kastenmaier-koch@skf-bochum.de