Immer mehr Menschen brauchen ambulante Hilfen zur Erziehung (HzE). Sozialarbeiter begleiten und beraten Familien und allein Erziehende direkt und eins zu eins, wie in der flexiblen Erziehungshilfe. Diese Arbeit ist personal- und kostenintensiv, droht aber in vielen Kommunen dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Und das, obwohl die Fallzahlen in den letzten Jahrzehnten drastisch gestiegen sind.
Professor Holger ZieglerCaritas / Christoph Grätz
So zeige allein die Anzahl der psychisch erkranken Eltern, die bei etwa 3% liegt und bei denen man von einem Betreuungsbedarf ausgehen könne, einen größeren Bedarf. Auch wenn es keinen Index speziell für "Hilfen zur Erziehung" gibt, so böten weitere statistische Daten wie etwa die Inanspruchnahme psycho-soziale Hilfen, Anzahl der Schulabgänger ohne Abschluss und die Zahlen der Kindeswohlgefährdungen ausreichend Hinweise darauf, dass der Bereich HzE deutlich unterversorgt sei. "Diese Hilfe müssten anstatt gekürzt weiter ausgebaut werden", führte Professor Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefeld gestern während einer Fachtagung im Haus der Caritas in Essen aus. Rund 60 Fachkolleginnen und -kollegen aus NRW waren der Einladung gefolgt um kritisches und selbstkritisches von Ziegler und Dr. Monika Weber vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe zu hören.
So verwies der Bielefelder Erziehungswissenschaftler in seinem etwa einstündigen Vortrag darauf, dass ein Problem die mangelnde Aufklärung sei. Viele, gerade aus problembelasteten Situationen, wüssten nicht, dass sie einen Rechtsanspruch auf Hilfen haben. Diese Menschen würden die örtlichen Jugendämter eher als Bedrohung wahrnehmen denn als Sevicestellen für Hilfen. Erziehungsprobleme seien meist von anderen Problemen - die auch Ursachen sein können - begleitet. Er führte aus, dass einmalige und isolierte Hilfen nicht effektiv seien, wohl aber "gezielte Maßnahmen" idealerweise mit Langzeitbegleitung. Leider, so Ziegler, erreichten viele Angebote zB. HARTZ IV Empfänger schlechter als Klient/innen der Mittelschicht. "Wir müssen darauf achten, dass wir keine Mittelschichtsförderung zu Lasten derer betreiben, die wirklich bedürftig sind", schrieb er den anwesenden Erziehungshelferinnen und Helfern ins Stammbuch.
Dr. Monika WeberCaritas / Christoph Grätz
Dr. Monika Weber vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe verwies in ihrem Beitrag "Wie kommt die Qualität in die ambulante Erziehungshilfe?" darauf, dass Indikatoren für die Ergebnisqualität ausschließlich bei den Adressaten lägen, denn Zufriedenheit, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit könnten nur bei den Familien gemessen werden, die die Hilfe in Anspruch nehmen. (ChG)